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Sonntag, 3. Januar 2021

Königliche Geschwister: Die Töchter von Großfürst Georgi Michailowitsch


Die beiden jungen Damen auf diesem Foto sind die Töchter von Großfürst Georgi Michailowitsch von Russland (1863–1919), einem Enkel von Zar Nikolaus I. und Cousin von Zar Alexander III., und dessen Ehefrau Prinzessin Maria von Griechenland und Dänemark (1876–1940), sie war eine Tochter von König Georg I. von Griechenland. 

Links steht Prinzessin[1] Xenia Georgijewna von Russland (1903–1965). Über die Kindheit und Jugend Xenias ist wenig bekannt, sie dürfte die übliche Erziehung für weibliche Mitglieder im Haus Romanow erhalten haben: Sprachen erlernen, Repräsentieren und die Vorbereitung einen eigenen Haushalt zu führen. Sie wuchs in der Nähe von Sankt Petersburg auf, dazu hatte die Familie einen Palast auf der Krim. Die Ehe von Xenias Eltern war nicht gut, während ihr Vater aus Liebe geheiratet hatte, war es für ihre Mutter eine Vernunftehe, die auf Druck ihrer Familie zu Stande kam. Sowohl Xenia als auch ihrer älteres Schwester Nina standen ihrem Vater Georgi Michailowitsch näher als ihrer Mutter Maria, die sich in Russland nie wohl fühlte und sooft es ging Zeit im Ausland verbrachte. Im Juni 1914 reisten die Schwestern mt ihrer Mutter nach England um dort ihre Gesundheit zu verbessern, so die offizielle Version, wahrscheinlich wollte sie sich von ihrem Mann trennen. Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte Xenia in London, sie sollte ihren Vater, der von den Bolschewiken inhaftiert und später schossen wurde, nie wiedersehen. Xenia, Nina und Mutter Maria überlebten die Russische Revolution im sicheren London. Mit 18 Jahren heiratete Xenia zum ersten Mal, William Bateman Leeds Jr. (1902–1971), aus dieser Verbindung stammt die Tochter Nancy. Das Paar zog in die USA. 1930 wurden Xenia und William geschieden. Im Jahr 1946 heiratete Xenia ihren zweiten Gatten Herman Jud (1911-1987). Mit 62 Jahren ist Xenia Georgijewna gestorben.

Auf dem Stuhl sitzt Prinzessin Nina Georgijewna von Russland (1901–1974). Die Kindheit und Jugend von Nina war wie die ihrer Schwester, sie wurden von Gouvernanten und Hauslehrern unterreichtet. Beide Mädchen verbrachten viel Zeit mit ihrem Vater, der liebevoll zu ihnen war. Das ihre Mutter 1914 nicht nach Russland zurückkehrte um ihrem Vater beizustehen, nahm Nina ihrer Mutter übel. Nina ehelichte 1921, wohl um endlich von ihrer Mutter Maria wegzukommen, in London Prinz Paul Alexandrowitsch Chavchavadze (1899–1971). Aus der Ehe stammt ein Sohn: Prinz David Chavchavadze. Die erneute Heirat ihrer Mutter mit einem griechischen Admiral, stand Nina negativ gegenüber. Nina zog, wie ihre Schwester Xenia, im Jahr 1927 mit ihrer Familie in die USA. Dort arbeitete sie als Künstlerin. Ihr Sohn war bei der CIA tätig und schrieb ein Buch über die russischen Großfürsten. Nina Georgijewna wurde 72 Jahre alt.


[1] Nach der neuen Hausordnung vom Juli 1886 soll der Titel Großfürst und Großfürstin fortan nur den Söhnen, Töchtern, Brüdern und Schwestern des Zaren und dessen Enkeln männlicher Nachkommenschaft zustehen. Die übrigen Mitglieder des kaiserlichen Hauses tragen den Titel Prinz oder Prinzessin kaiserlichen Geblüts.

Dienstag, 21. Juli 2020

Steht eine Verlobung im Haus Romanow bevor?


Vom 11. bis zum 13. Juli 2020 war Großfürst Georgi Michailowitsch von Russland zu Gast in Sankt Petersburg. Das wäre eigentlich nichts besonderes, aber Georgs langjährige Freundin Rebecca Bettarini trat am 12. Juli 2020 zum russisch-orthodoxen Glauben über. Mit ihrer Konversion hat Rebecca einen neuen Namen: Victoria Romanowna. Sie bekam eine Ikone mit der Heiligen Märtyrerin Victoria von Rom überreicht. Ein Religionswechsel bei den Romanows war bisher immer ein Hinweis auf eine baldige Verlobung und Hochzeit. Die letzte Zarin Alexandra (Alix von Hessen) konvertierte auch vor ihrer Hochzeit mit Nikolaus II. zur Orthodoxie, wie alle Prinzessinnen die den Thronfolger ehelichten.



Großfürst Georgi und Victoria Romanowna sind seit über neun Jahren liiert, einer Hochzeit stand aber bisher die fehlende Religion und noch wichtiger: die nicht königliche Abstammung von Rebecca/Victoria im Weg. Georgis Mutter Großfürstin Maria Wladimirowna ist das umstrittenen Oberhaupt des ehemaligen russischen Zarenhauses, ihr Anspruch wird zwar von der orthodoxen Kirche anerkannt, beruht aber nur auf ihrer königlicher Herkunft, die auch umstritten ist... 

Es gibt heute noch lebende männliche Mitglieder der Romanows und deren Nachkommen, die aber allesamt unter ihrem Stand geheiratet haben, wie russische Gräfinnen oder bürgerliche Frauen. Wenn sie ihrem Sohn erlaubt  
Rebecca/Victoria zu heiraten, würde Maria Wladimirownas Linie auf der selben Stufe stehen, wie die der anderen Romanows.

Hier nochmal zur Übersicht die Vorfahren von Maria Wladimirowna und Georgi und warum einige deren Ehen umstritten waren:


Zar Alexander II. von Russland ⚭ Marie von Hessen und bei Rhein
I
Großfürst Wladimir Alexandrowitsch ⚭ Marie zu Mecklenburg-Schwerin
(Ehe wurde vor Zar Alexander II. anerkannt, Marie bleibt Protestantin. Sie trat erst zur Orthodoxie über als klar wurde das Nikolaus II. und sein Sohn und Bruder tot waren, und ihre Söhne als nächste in der Thronfolge waren. Eigentlich muss ein zukünftiger Zar von einer russisch-orthodoxen Mutter geboren werden.)
I
Großfürst Kirill Wladimirowitsch ⚭ Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha
(Die Ehe wurde ohne Zustimmung des Zaren geschlossen - heiraten zwischen Cousin und Cousine sind in der r.-o. Kirche nicht erlaubt - die Verbindung wurde später trotzdem von Zar Nikolaus II. anerkannt. Kirill hat sich selbst zum Zar im Exil ausgerufen.)
I
Großfürst Wladimir Kirillowitsch ⚭ Leonida Bagration-Moukhrani
(Die Bagrations waren im Mittelalter Könige von Georgien, wurden aber abgesetzt und im russischen Reich nur als einfache Adelige anerkannt, daher wird die Ehe von anderen Mitgliedern der Romanows als nicht ebenbürtig angesehen)
I
Großfürstin Maria Wladimirowna ⚭ Franz Wilhelm von Preußen
(Franz Wilhelm wurde vor der Eheschließung r.-o. und nahm den Namen Michail Pawlowitsch an, das Paar ist seit 1985 geschieden.)
I
Großfürst Georgi Michailowitsch

Maria Wladimirowna

(Fotos: Russian Imperial House)

Freitag, 28. Juni 2019

Zarin Maria Feodorowna und ihre Enkelin Olga


Auf dem Foto sehen wir Zarin-Witwe Maria Feodorowna von Russland mit ihrer Enkeltochter Großfürstin Olga Nikolajewna. Normalerweise überlebt ein Enkelkind seine Großeltern um Jahrzehnte, hier war das aber nicht der Fall.

Zarin Maria Feodorowna war die Witwe von Zar Alexander III. (†49), und hieß vor ihrem Übertritt zur russisch-orthodoxen Kirche Dagmar, sie stammte aus dem dänischen Königshaus. Ihre Familie musste während der Russische Revolution einen hohen Blutzoll zahlen: ihre beiden Söhne, der letzte Zar Nikolaus II. und Großfürst Michael Alexandrowitsch werden im Juni/Juli 1918 ermordet, ebenso die Schwiegertochter Zarin Alexandra und fünf Enkelkinder (darunter die inzwischen 22-jährige Olga Nikolajewna). Von ihren engsten Familienangehörigen überleben nur die beiden Töchter mit ihren Familien sowie der morganatische Sohn von Großfürst Michael. Maria Feodorowna überlebte die Russische Revolution und konnte ins Ausland flüchten und starb 1928 in ihrer Heimat Dänemark - mehr als 10 Jahre nach dem Tod ihrer Enkelin Olga.

Dienstag, 9. Oktober 2018

Die Herrscherinnen Europas um 1900





























Dieses Bild zeigt die europäischen Königinnen und Fürstinnen um 1900. Ich konnte es gut einordnen, weil bei drei der Damen das Todesdatum 1898 und 1899 steht, und Königin Victoria, die bis 1901 gelebt hat, hier noch als lebend dargestellt wird.

Obere Reihe (v.l.n.r.):

Königin Marie Henriette der Belgier (1836–1902) geborene Erzherzogin von Österreich 

Königin-Regentin Maria Christine von Spanien (1858–1929), geborene Erzherzogin von Österreich

Königin Olga von Griechenland (1851–1926) geborene Großfürstin von Russland

Königin Victoria von Großbritannien (1819–1901)

Königin Amalie von Portugal (1865–1951), geborene Prinzessin von Orleans

Königin Louise von Dänemark (1817–1898), geborene Prinzessin von Hessen-Kassel


Mittlere Reihe (v.l.n.r.):

Kaiserin Elisabeth von Österreich und Königin von Ungarn (1837–1898), geborene Herzogin in Bayern

Königin Sophia von Schweden und Norwegen (1836–1913), geborene Prinzessin von Nassau

Zarin Alexandra Feodorowna von Russland (1872–1918), geborene Prinzessin Alix von Hessen und bei Rhein

Königin Margherita von Italien (1851–1926), geborene Prinzessin von Savoyen

Königin Auguste Viktoria von Preußen und Deutsche Kaiserin (1858–1921), geborene Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg


Untere Reihe (v.l.n.r.):

Königin-Mutter Emma der Niederlande (1858–1934), geborene Prinzessin von Waldeck und Pyrmont

Königin Wilhelmina der Niederlande (1880–1962)

Königin-Mutter Nathalie von Serbien (1859
–1941), geborene Keschko

Königin Elisabeth von Rumänien (1843
–1916), geborene Prinzessin zu Wied

Fürstin Marie Louise von Bulgarien (1870
–1899), geborene Prinzessin von Bourbon-Parma

Fürstin Milena von Montenegro (1847
–1923), geborene Vukotić

Donnerstag, 16. März 2017

100. Jahrestag: Abdankung von Zar Nikolaus II.


Am 15. März 1917 - mitten im Ersten Weltkrieg und in Folge der Februarrevolution - dankte Nikolaus II. als Herrscher Russlands ab. Als Nachfolger ernannte er nicht seinen einzigen, an der Bluterkrankheit leidenden Sohn Zarewitsch Alexej, sondern seinen jüngeren Bruder Großfürst Michail Alexandrowitsch, der jedoch den Thron ablehnte. Damit endete nach mehr als 304 Jahren die Herrschaft der Romanows über Russland.

Großfürst Michail Alexandrowitsch

Sonntag, 24. Januar 2016

Peterhof und seine Gärten


Hier sind noch ein paar meiner Aufnahmen vom Peterhof Palast und seinen wunderschönen Gärten. Die Fontänen waren großartig anzusehen.



Der Katharinenpalast bei Sankt Petersburg


Einige Impressionen vom Katherinenpalast in Puschkin. Alle Fotos wurden von mir während eines zweitätigen Aufenthaltes gemacht.








Donnerstag, 12. November 2015

Peter und Paul Festung: Ruhestätte der Zaren


Nachdem die Überreste von Zar Nikolaus II. und Zarin Alexandra bei einer neuen Untersuchung als authentisch befunden worde, werden jetzt hoffentlicht auch die zwei bisher nicht im Familiengrab beigesetzten Kinder Zarewitsch Alexej und Großfürstin Maria ihre letzte Ruhe in der Peter und Paul Festung finden.

Ruheplatz der Zarenfamilie und ihrer Diener


 




(Alle Fotos: Königlicher Beobachter)

Mittwoch, 8. Juli 2015

Alexandra – Ein Name, viel Unglück

Großfürstin Alexandra Pawlowna

Der Vorname Alexandra brachte der russischen Zarenfamilie kein Glück. Alle der gebürtigen Großfürstinnen die diesen Namen trugen starben als Kind oder junge Frau.

Die erste war Großfürstin Alexandra Pawlowna (1783–1801), älteste Tochter von Zar Paul I. und dessen Gattin Sophie Dorothea von Württemberg (Zarin Maria Feodorowna). Alexandra Pawlowna war mit Erzherzog Joseph von Österreich, Palatin von Ungarn, verheiratet und starb bei der Geburt ihres ersten Kindes. Die Tochter Erzherzogin Alexandrine wurde tot geboren.

Großfürstin Alexandra Nikolajewna

Die nächste war Großfürstin Alexandra Nikolajewna (1825–1844), die jüngste Tochter von Zar Nikolaus I. und Prinzessin Charlotte von Preußen (Zarin Alexandra Feodorowna). "Adini'" war mit Erbprinz Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel vermählt, sie starb nach der Frühgeburt ihres Sohnes Prinz Wilhelm an Tuberkulose. Das Kind kam drei Monate zu früh auf die Welt und starb am selben Tag wie seine Mutter.

Von Großfürstin Alexandra Michailowna (1831–1832), einer Tochter von Großfürst Michael Pawlowitsch und Prinzessin Charlotte von Württemberg, gibt es nicht mal ein Bild, da sie mit nur 14 Monaten verstarb.

Großfürstin Alexandra Alexandrowna

Die bisher letzte Namensträgerin war Großfürstin Alexandra Alexandrowna (1842–1849), das älteste Kind von Zar Alexander II. und Prinzessin Marie von Hessen und bei Rhein (Zarin Maria Alexandrowna). Die kleine "Lina" starb an Meningitis. Seit ihr trug keine Tochter eines Zaren oder Großfürsten mehr den Namen Alexandra.

Freitag, 3. Juli 2015

Rezension: Maria, Kaiserin von Russland – Die Württembergerin auf dem Zarenthron von Marianna Butenschön


Endlich gibt es eine Biographie über eine der in Deutschland weniger bekannten Zarinnen: Maria Fjodorowna, geborene Prinzessin Sophie Dorothea von Württemberg. Auf 424 Seiten und 20 farbigen und schwarz-weißen Abbildungen auf Tafeln wird das Leben der Zarin vorgestellt. Die Autorin Marianna Butenschön kennt sich mit den Romanows aus, sie hat bereits ein Buch über Zarin Alexandra Fjodorowna (Charlotte von Preußen) geschrieben.

 Sophie Dorothea, in der Familie "Dortel" genannt, war dies älteste Tochter von Herzog Friedrich Eugen von Württemberg und Friederike Dorothea von Brandenburg-Schwedt, einer Nichte Friedrichs des Großen. Sie hatte elf Geschwister. Sophie Dorothea kam in Stettin zur Welt, hier war auch schon Katharina die Große, ihre zukünftige Schwiegermutter geboren. Die Kindheit und Jugend der württembergischen Prinzessin wurde in einer harmonischen Familie verbracht, die Ehe der Eltern war gut, was in den Kreisen eher ungewöhnlich war. Ach das Verhältnis zu ihren Geschwistern war eng. Die Erziehung Sophie Dorotheas war ausgezeichnet. Seit ihrer Jugend in Mömpelgard hatte die Prinzessin zwei enge Freundinnen, mit denen sie bis zum Lebensende Kontakt hatte: Anna Juliane Schilling von Canstadt, genannt "Tille" und Henriette Louise d'Oberkirch, genannt "Lanele". Beide kommen im Buch oft vor.

Katharina die Große, selbst gebürtig eine deutsche Prinzessin aus dem Hause Anhalt, suchte für ihren einzigen Sohn Großfürst Paul eine geeignete Ehefrau in deutschen Fürstentümern. Am Ende der längeren Suche waren noch zwei Prinzessinnen auf der Liste: Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Darmstadt und Sophie Dorothea. Auf Grund ihrer Jugend wird "Dortel" nicht die Braut des Großfürsten. Drei Jahre später wird Sophie Dorothea mit dem Erbprinzen Ludwig von Hessen-Darmstadt verlobt. Zu der Ehe kommt es jedoch nicht, weil in Sankt Petersburg die Gattin des russischen Thronfolgers im Kindbett gestorben war, und Katharina die Große und Sophie Dorotheas Großonkel Friedrich der Große sie mit dem Großfürsten verheiraten wollen. Schließlich muss der Erbprinz von Hessen auf seine Verlobte verzichten, um die gute Harmonie mit Russland zu erhalten.

Um Großfürstin von Russland zu werden muss Sophie Dorothea "griechisch" werden, das heißt zum russisch-orthodoxen Glauben übertreten. Da sie bisher nicht konfirmiert wurde, und ihrer Familie im Zuge der Heirat Geld und Posten versprochen wurde, stellte das auch kein Problem dar. Friedrich der Große lädt "Dortel" mit ihrer Familie und Großfürst Paul nach Berlin ein, um sich kennen zu lernen. Das erste Treffen verläuft bestens und Sophie Dorothea und Paul verloben sich. Friedrich der Große, eigentlich sparsam, lässt sich nicht lumpen und veranstaltet große Feste für das Paar. Vor der Reise in ihre neue Heimat hatte der Großfürst seiner zukünftigen Gattin ein Schreiben mit 14 Verhaltensregeln überreicht. Sie solle unter anderen schnell russisch lernen, was ihre Vorgängerin nicht getan hatte.

Zur Hochzeit reiste Sophie Dorothea nach Sankt Petersburg. Vor der Eheschließung kam aber erst der Religionswechsel und aus Sophie Dorothea wurde Maria Fjodorowna. Mit der prachtvollen Hochzeit wurde Maria Fjororowna Großfürstin von Russland und eines Tages Zarin. Die Ehe lief gut an, nicht nur der Ehemann war von seiner neue Gemahlin begeistert, auch die kritische Schwiegermutter Katharina die Große, war von Maria Fjodorowna angetan. Diese litt jedoch an Heimweh. Ein Jahr nach der Hochzeit kam das erste Kind, Sohn Alexander, zur Welt. Katharina die Große nahm den jungen Eltern das Kind weg, das hatte vorher schon Zarin Elisabeth mit Katharinas Sohn Paul getan. Den Namen des Kindes hatten Maria  und Paul auch nicht aussuchen dürfen. Gleiches wiederholte sich mit dem zweiten Sohn Konstantin, der ebenfalls bei der Großmutter lebte.

Das Hofleben forderte von Großfürstin Maria Verstellung, da überall nur Intrigen lauerten. Dem konnte das Paar entfliehen um die "Grand Tour" durch das westliche Europa zu unternehmen. Auf ihrer Reise trafen Maria und Paul in Wien auf Kaiser Josef II., in Neapel auf Königin Maria Carolina und in Paris auf deren Schwester Königin Marie Antoinette. Nach mehr als einem Jahr waren beide wieder zurück in Russland. Das Verhältnis zu Katharina der Großen verschlechterte sich zunehmend. Maria mied den "Großen Hof" so gut es ging. Sie widmete sich ihrem Lebensprojekt: Pawlowsk. Hier lies sie einen großen Park anlegen und Schlösser sowie einen Palast bauen. Pawlowsk wurde ihr Refugium, ihr Werk. In den folgenden Jahren bekamen Marie und Paul drei Töchter: Alexandra, Jelena und Maria. Von der Macht wurde das Thronfolgerpaar weiterhin ferngehalten.

Schon als junge Frau hatte Maria Freude an der Kunst. Sie verbrachte ihre Zeit damit selbst künstlerisch tätig zu werden und brachte es mit dem Steinschnitt auf hohes Niveau. Einige ihrer Werk wurden auch in der Eremitage aufgenommen. An den "Kleinen Hof" taucht eine gewisse Katharina Nelidowa auf, die Großfürst Paul für sich einnimmt. Die großfürstliche Ehe ist in der ersten Krise. Trotzdem bringt Maria zwei weitere Töchter zur Welt: Katharina und Olga, die als einziges der zehn Kinder früh stirbt. Katharina die Große hatte inzwischen eine Ehefrau für ihren ältesten Enkel Alexander ausgesucht. Er heiratet Prinzessin Luise von Baden, die spätere Elisabeth Alexejewna. Die ausgebrochene Französische Revolution verbreitete auch in Russland seine Schrecken. Die Hinrichtung des Königspaares Ludwig XVI. und Marie Antoinette sorgte bei Maria für entsetzen, der Besuch des königlichen Hofes und die freundliche Aufnahme der Königin lag nicht lange zurück. Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, wurde auch noch Mömpelgard vom revolutionären Frankreich annektiert und Marias Familie musste fliehen.

Großfürst Paul wurde immer unberechenbarer, so das Maria ihre Rivalin Nelidowa, die sie erst kurz zuvor vom "Kleinen Hof" verbannt hatte, zurück holen musste. Damit sie ihn beruhigen konnte. Auch der zweite Sohn Konstantin wurde in dieser Zeit verheiratet, Katharina die Große hatte für ihn Prinzessin Juliane von Sachsen-Coburg-Saalfeld, spätere Anna Fjodorowna, ausgesucht. Maria gebar zwei weitere Kinder: Anna und Nikolaus. Kurz nach der misslungenen Schweden-Verlobung, bei der der zukünftige König Gustav IV. Adolf  von Schweden ihre älteste Enkelin Großfürstin Alexandra stehen lies, starb Katharina die Große. Paul und Maria wurden das neue Kaiserpaar. Die Krönung der beiden wurde ein prächtiges Spektakel:

[Kaiser] Paul setzte sich selbst die Krone auf, dann krönte er die Kaiserin, indem er seine Krone abnahm und mit ihr den Kopf seiner Gemahlin berührte, der sofort die Kleine Krone aufgesetzt wurde. [...] Zum ersten Mal war ein russisches Kaiserpaar gemeinsam gekrönt worden, ein Ritual, das bis zum Ende der Monarchie beibehalten wurde. Maria, Kaiserin von Russland, Seite 190

Glücklich wurde Maria als Kaiserin nicht, ihr Mann hatte eine neue Favoritin, ein Fräulein
Lupochina. Dazu Demütigte er seine Frau auch noch öffentlich. Die Ehe und das Klima bei Hofe
wurde so schlecht, das selbst Katharina Nelidowa, die in der Zwischenzeit eine enge Freundin Marias wurde, ihren Abschied nahm. Maria brachte ihr zehntes und letztes Kind Michael zur Welt. Kaiser Paul I. hatte auch innerhalb kurzer Zeit den mächtigen Adel wegen Verordnungen und Verboten gegen sich aufgebracht. Man plante seinen Sturz...

Nach fünf Jahren als Kaiser wurde Paul I. eines Nachts von adeligen Verschwörern im Michael-Schloss ermordet, weil er nicht abdanken wollte. Ob seine Gattin und der älteste Sohn Alexander davon wussten, dazu gibt es verschiedene Meinungen. Maria, jetzt Kaiserinmutter, trauerte trotz der letzten schlechten Jahre um ihr "Paulchen". Sie pflegte einen regelrechten Totenkult um die Verstorbenen. Neben Paul hatte sie auch ihre älteste Tochter Alexandra, verheiratet mit Erzherzog Joseph von Österreich, im Kindbett verloren. Zwei Jahre später starb auch Tochter Jelena, Gattin des Erbprinzen von Mecklenburg-Schwerin, nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Die nächste Tochter Maria durfte erst später heiraten, sie wurde die nachmalige Großherzogin  von Sachsen-Weimar-Eisenach.

In den nächsten Jahren sorgte Napoleon Bonaparte für Unruhe in Europa. Kaiserinmutter Maria war auf den Korsen und seine Ernennung zum Kaiser der Franzosen schlecht zu sprechen und versuchte ihren Sohn Alexander I. zu beeinflussen. Unter Napoleon I. gab es ein hin und her zwischen Krieg und Frieden. Maria widmetet sich unterdessen der Wohltätigkeit. Sie gründete Institute, Blindenschulen, Findelhäuser und lies Hebammen ausbilden. Nebenbei arbeitete sie weiter an ihrer Kunst und blieb schriftlich mit Familie und Freunden in Kontakt. Maria empfing mit Alexander I. das preußische Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Luise in Sankt Petersburg. Maria verstand sich bestens mit den beiden und man besprach eine russisch-preußische Verbindung. Maria hatte als Kaiserinmutter vortritt vor ihrer Schwiegertochter Kaiserin Elisabeth, die  nicht gerne repräsentierte.

Und wieder griff Napoleon Bonaparte in Marias Leben ein. Er marschierte in Russland ein und der Vaterländische Krieg begann. Die Französische Armee drang tief in das russische Reich ein und besetzte sogar Moskau, das in Flamme aufging. Maria hatte in Pawlowsk schon alles für die Evakuierung vorbereitet, auch die Schüler und Kinder ihrer Institutionen sollten in Sicherheit gebracht werden. Doch der Winter machte dem Kaiser der Franzosen einen Strich durch die Rechnung und er musste Richtung Westen fliehen. Die Russen trieben mit ihren deutschen, österreichischen und schwedischen Alliierten die Reste der Grande Armee nach Paris. Maria war Stolz auf ihren Ältesten. Beim Wiener Kongress gab Alexander I. den Takt an. Napoleon entkam von seinem Verbannungsort, und wurde wieder besiegt und erneut auf eine Insel weiter weg gebracht. Das Kapitel war nun beendet.

Beim Wiener Kongress fand auch Marias verwitwete Tochter Katharina von Oldenburg einen neuen Ehemann, sie ehelichte Kronprinz Wilhelm von Württemberg. Auch die jüngste Tochter Anna heiratete. Sie wurde Mitglied des niederländischen Königshauses und später Königin. Marias dritter Sohn Großfürst Nikolaus wurde, wie vor dem Krieg abgemacht, mit Prinzessin Charlotte von Preußen vermählt. Die neue Schwiegertochter gewann Marias Herz im Sturm. Charlotte, jetzt Alexandra Fjodorowna, schaffte das was keine ihrer zwei Schwägerinnen geschafft hatte, sie bekam einen Sohn, den nachmaligen Alexander II. Dieses Enkelkind war Marias Liebling.

Maria besuchte nach 36 Jahren wieder ihre Heimat Württemberg. In Stuttgart und Ludwigsburg sah sie Teile ihrer Familie und ihre Tochter Katharina, die inzwischen Königin geworden war. Nachdem Maria wieder in Sankt Petersburg angekommen war, erreichte sie eine die Nachreicht das ihre Tochter Königin Katharina gestorben war. Sie hatte nun ihre vierte Tochter überlebt. Dann lies sich auch noch Sohn Konstatin von seiner in der Schweiz lebenden, vor ihm geflüchteten Gattin Anna scheiden. Er vermählte sich erneut mit einer polnischen unebenbürtigen Adligen. Maria hatte der Verbindung nur zugestimmt, weil Konstantin auf die Thronfolge zugunsten Nikolaus verzichtet hatte. Kaiser Alexander I. hatte sich ganz von der Welt zurück gezogen und starb kurz darauf. Seine Witwe Elisabeth überlebte ihr nur eine paar Monate. Maria war zutiefst schockiert, wieder eines ihrer Kinder zu Grabe zu tragen und brach zusammen.

Der Thronwechsel verlief auch nicht so wie erwartet. Anstatt auf Nikolaus wurden die Menschen auf Konstantin eingeschworen. Der war aber in Polen und wollte nicht Kaiser werden. Die Unsicherheit machten sich Umstürzler zu nutzen und der Dekabristen-Aufstand brach los. Nikolaus I. lies mit Kanonen auf die Aufständler schießen, was Maria fürchterlich fand. Kaiser Nikolaus I. siegte zwar, doch der Preis an Menschenleben war hoch. Bei der Krönung von Nikolaus spielte Maria ihre letzte groß Rolle. Ihre letzten Lebensjahre wurden durch Marias wachsende Anzahl von Enkelkindern. die sie gern und oft um sich hatte, verschönert. Sie baute aber immer mehr ab. Kaiserinmutter Maria Fjodorowna starb mit 69 Jahren in ihrem geliebten Pawlowsk, was auch ihr Vermächtnis ist.

Im Anhang des Buches findet sich noch der Anhang, mit  Zeittafel, Glossar, Anmerkungen, Bibliografie sowie das Personenverzeichnis.
 


 Meine Meinung:
 
Mir hat das Buch sehr gut gefallen.
Viel Geschichte, viel Maria/ Sophie Dorothea.
Eine leider wenig bekannte Deutsche Kaiserin, hoffentlich wird dieses Buch das ändern.
Maria Fjodorownas Leben wird mit vielen Zitaten sowie Auszügen
aus Briefen und Tagebüchern erzählt.
Interessant sind auch die Beziehungen zwischen den Romanows
und der Württembergischen Herrscherfamilie.
Die soziale Wohltätigkeit der Kaiserin wird ebenso ausführlich beschrieben.
Die 20 Abbildungen sind positiv hervorzuheben,
darunter auch Fotos der künstlerischen Werke Marias.
Negativ fällt dagegen auf, dass es keinen Stammbaum gibt.
Bei so vielen Verwandten wäre das sehr hilfreich.
Marianna Butenschön schreibt hoffentlich an weiteren Büchern
über Russlands Zarinnen.
DIE Biographie über die Württembergerin auf dem Zarenthron!
 
 
 
Erhältlich bei: Theiss Verlag oder im Buchhandel



Buch-Information
Verlag: Theiss (2015), 424 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8062-3047-5, Sprache: Deutsch, Format: 14,5 x 21,7 cm
Preis: 24,95 €

Sonntag, 12. April 2015

Ein Zar und seine zwei Schutzengel


Auf diesem Bild, das von Maler Woldemar Hau stammt, zeigt Zar Nikolaus I. von Russland (1796–1855) auf den Totenbett mit zwei Alexandras als Engel.
Die ältere ist die Tochter Großfürstin Alexandra Nikolajewna (1825–1844), das kleine Mädchen ist die Enkelin Großfürstin Alexandra Alexandrowna (1842–1849), das älteste Kind von Nikolaus' Sohn Zar Alexander II.

Montag, 24. November 2014

Königliches Familientreffen im Jahre 1896


Im Jahre 1896 besuchte Zar Nikolaus II. mit seiner Gattin Alexandra, geborene Prinzessin Alix von Hessen und bei Rhein, zusammen mit ihrem ersten Kind Großfürstin Olga Nikolajewna ihre Verwandten in Großbritannien.

Auf dem Bild ist die kleine Familie mit Königin Victoria, der Großmutter Alexandras, sowie ihrem Onkel Bertie, dem späteren König Eduard VII. zu sehen. Der Queen lagen ihre hessischen Enkelkinder sehr am Herzen, da deren Mutter Großherzogin Alice früh verstorben war, verbrachten Alexandra und ihre Geschwister viel Zeit am englischen Hof.

Samstag, 22. November 2014

Königliche Geschwister: Die Töchter von Zar Alexander III. von Russland


Die zwei Damen auf diesem Bild sind die Töchter des vorletzten Zaren Alexander III. (1845–1894) und dessen Ehefrau Zarin Maria Feodorowna (1847–1928), geborene Prinzessin Dagmar von Dänemark. Die beiden Großfürstinnen hatten noch vier Brüder, zwei davon, Großfürst Alexander (1869–1870) und Großfürst Georgi (1871–1899), starben an Krankheiten. Die anderen beiden, Zar Nikolaus II. (1868–1918) und Großfürst Michail (1878–1918), fielen der Russischen Revolution zum Opfer.

Links sitzt Großfürstin Olga Alexandrowna (1882–1960), sie war das jüngste Kind der Familie und wurde als einzigste in der Regierungszeit ihres Vaters geboren. 1901 wurde Olga mit Herzog Peter von Oldenburg verheiratet, der aus der russischen Linie des Hauses Oldenburg stammte, die Ehe hatten die Mütter der beiden eingefädelt. Wie viele arrangierte Verbindungen war auch diese sehr unglücklich und blieb kinderlos. Olga verliebte sich in den Offizier Nikolai Kulikovsky und schließlich wurde ihre erste Ehe 1916 annulliert. Daraufhin heiratete Olga Kulikovsky und bekam mit ihm zwei Söhne. Während der Russischen Revolution hielt sich Olga in Kiew, später auf der Krim und im Kaukasus auf, was ihr Leben und das ihrer Familie retten sollte. Sie schaffte es ihrer Mutter nach Dänemark zu folgen und blieb dort bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Aus Furcht vor Entführung und Ermordung. durch die nun nah an Dänemark stehenden Kommunisten, wanderte Olga mit ihrem Gatten, den Söhnen sowie ihren Schwiegertöchtern und Enkeln nach Kanada aus und wurden Bauern. Hier verbrachte sie ihre Zeit auch mit der Malerei. Mit 78 Jahren starb Großfürstin Olga Alexandrowna von Russland, Frau Kulikovsky in Toronto, nur sieben Monate nach ihrer älteren Schwester Xenia.

Großfürstin Xenia Alexandrowna (1875–1960) ist rechts zu sehen. Im Jahre 1894 - kurz vor dem Tod ihres Vaters - heiratete Xenia Großfürst Alexander Michailowitsch von Russland. Das war ungewöhnlich, weil Mitglieder des Hauses Romanow sonst nur außerhalb der eigenen Familie, vor allem in Deutsche Fürstenhäuser, einheirateten. Die Ehe war eine Liebesheirat aus der sieben Kinder, eine Tochter und sechs Söhne, hervorgingen. Das aus Liebe nicht immer eine gute Ehe wird, zeigte sich auch bei Xenia und ihrem Gatten: Nach der Geburt ihres letzten Kindes 1907 lebten sich beide auseinander und hatten Affären. Die meiste Zeit lebten beiden getrennt, scheiden ließen sie sich aber nie. Xenias Tochter Irina war die Gattin von Fürst Felix Felixowitsch Jussupow, der in die Ermordung Rasputins verwickelt war, was für einen Skandal sorgte. Kurz nach dem Ausbruch der Russischen Revolution konnten Xenia und ihre Familie auf die Krim flüchten, von dort aus brachte sie ein britischen Kriegsschiff nach England. König Georg V. war ein Cousin Xenias und stellte ihr das Frogmore Cottage als Wohnsitz zur Verfügung. Xenia blieb den Rest ihres Lebens in Großbritannien, ihr Mann bleib in Paris wo er 1933 auch starb. Großfürstin Xenia Alexandrowna von Russland wurde 85 Jahre alt.

Dienstag, 2. September 2014

Königliche Geschwister: Die Töchter von Großfürst Konstantin Nikolajewitsch von Russland


Auf diesem Foto sind die zwei Töchter von Großfürst Konstantin Nikolajewitsch von Russland (1827–1892) - dem zweiten Sohn von Zar Nikolaus I. - und dessen Gattin Großfürstin Alexandra Iosifowna (1830–1911), eine geborene Prinzessin von Sachsen-Altenburg, abgebildet. Das Bild muss circa 1860 entstanden sein.

Links ist Großfürstin Wera Konstantinowna (1854–1912) zu sehen. Wera war ein schwieriges Kind, nachdem sie ein Attentat auf ihren Vater mitbekam, der das Amt eines Vizekönig von Polen innehatte, wurde sie noch  widerspenstiger. Schließlich wurde beschlossen die 9-jährige Wera nach Stuttgart zu ihrer kinderlosen Tante Olga Nikolajewna zu schicken, die den Kronprinzen von Württemberg geheiratet hatte. Nach einigen Jahren unter der Aufsicht ihrer Tante und ihres Onkels Karl wurde aus Wera eine normale junge Frau. Das Jahr 1871 brachte zwei entscheidende Ereignisse in das Leben Weras - ihre Adoption durch König Karl und Königin Olga sowie den Sieg Württembergs an der Seite Preußens im Deutsch-Französischen Krieg, der aus der gebürtigen Russin eine württembergische Patriotin machte. Sie veröffentlichte sogar eine Schrift: "Die Württemberger vor Paris - Ein vaterländisches Gedicht". 1874 heiratete Wera Herzog Eugen von Württemberg, aus der schlesischen Seitenlinie des Hauses Württemberg, und wurde Mutter von drei Kindern. Nach drei Jahren Ehe starb Weras Gemahl - vorher war schon ihr einziger Sohn gestorben. Wera war in ihrer neuen Heimat sehr beliebt und tat viel Gutes. Für Freude sorgten auch die Heiraten ihrer Zwillingstöchter, die beide Prinzen zu Schaumburg-Lippe ehelichten und Wera zur siebenfachen Großmutter machten. Gegen Ende ihres Lebens war Wera von der russisch-orthodoxen zur lutherischen Kirche konvertiert, was das Zarenhaus in Russland nicht öffentlich machte. Herzogin Wera von Württemberg wurde 58 Jahre alt.

Das andere Mädchen ist Großfürstin Olga Konstantinowna (1851–1926). Olgas Kindheit verlief - im Gegensatz zu ihrer Schwester Wera - ohne besondere Vorkommnisse. Dafür war sie schon mit 16 Jahren verheiratet, mit König Georg I. von Griechenland, gebürtig Prinz Wilhelm von Dänemark. Die Verbindung war von der Schwester des Königs eingefädelt worden, aber auch eine Liebesheirat. Olga war eigentlich zu jung und zu wenig vorbereitet um Königin zu sein, sie 
brachte unter ihren Habseligkeiten einen Schrank voller Puppen und Teddys mit nach Griechenland. Die Ehe von Georg und Olga wurde ein Erfolg. Zwischen 1868 und 1888 brachte Olga acht Kinder zur Welt, fünf Söhne und drei Töchter. Das Königspaar sprach untereinander Deutsch, die einzige Sprache die beide konnten, mit der Zeit lernte Olga aber Griechisch und auch Englisch. Auch als Königin von Griechenland blieb Olga ganz Russin und hatte Heimweh nach ihrem Herkunftsland, sie verbrachte so viel Zeit wie sie konnte dort. Ihrer Popularität bei den Griechen tat das keinen Abbruch. Olga hatte auch viele Wohltätigkeitsorganisationen. 1913 wurde König Georg ermordet und Olga nach 46 Jahren Ehe und auf dem Thron zur Witwe. Sie hatte auch schon zwei ihrer Töchter verloren. Ein Jahr später begann der Erste Weltkrieg, Königin Olga war in Russland und blieb auch dort. Bis zu Ausbruch der Russischen Revolution bei der sie in die Schweiz flüchtete - dort war bereits ihr ältester Sohn König Konstantin I. mit seiner Familie im Exil. 1920 war Olga dann für einen Monat Regentin Griechenlands, nach dem Tod ihres Enkels König Alexander I. Olgas Sohn Konstantin kam zurück auf den Thron um zwei Jahre später zurück ins endgültige Exil zu gehen. Königin Olga von Griechenland starb mit 74 Jahren.

Freitag, 28. März 2014

Königliche Doppelgänger: Nicky und Georgie


Die beiden Männer auf diesem Bild sind der letzte Zar Nikolaus II. von Russland (1868–1918) und König Georg V. von Großbritannien (1865–1936).

Beide sehen sich sehr ähnlich weil ihre Mütter, Prinzessin Dagmar (Nikolaus) und Prinzessin Alexandra (Georg) von Dänemark, Schwestern waren.

Das Foto wurde 1913 in Berlin aufgenommen, als beide Gäste bei der Hochzeit von Viktoria Luise, der Tochter von Kaiser Wilhelm II., waren.

Freitag, 27. Dezember 2013

Ausstellungsbesuch: Im Glanz der Zaren

Das alte Schloss in dem sich das Landesmuseum Württemberg befindet.

Ich habe die Ausstellung "Im Glanz der Zaren" am 26. November 2013 in Stuttgart besucht.
Im Eintritt ist neben der Zaren-Ausstellung auch der Besuch der Schlosskirche (die leider nicht geöffnet hatte) und die der Gruft in der König Karl I., Königin Olga Nikolajewna, Herzogin Wera Konstantinowna, Herzog Eugen und dem früh verstorbenen Herzog Karl Eugen zu besichtigen.

Beim Kauf der Eintrittskarte bekommt man vom Museumsmitarbeiter ein rosa-weißes Büchlein in die Hand gedrückt, was man nicht aus der Hand legen sollte, denn an den Ausstellungsstücken sind nur Nummern, die Erklärungen muss man selber nachschlagen und lesen. Außerdem bekommt man einen Audioguide, der zu einigen Gegenständen etwas erzählt. Mit dem Fahrstuhl geht es zur Ausstellung hoch in die dritte Etage.

Vor dem Landesmuseum

Im Glanz der Zaren beginnt mit dem Prolog, eine Weltkarte auf der das Russische Reich und Württemberg hervorgehoben sind, davor ein Tisch mit fünf Stühlen (für die fünf Großfürstinnen) auf einer anderen Wand ist ein großer Stammbaum mit den Romanow-Württemberg Verbindungen. Am Anfang jeden Raumes ist eine Tafel mit deutschen, englischen und russischen Lebensdaten von einer der fünf royalen Damen angebracht.

Im ersten Raum geht es los mit Zarin Maria Feodorowna (Sophie Dorothee von Württemberg) die Zar Paul I. geheiratet hatte, den Sohn Katharinas der Großen. Zum ersten Mal wird hier außerhalb Russlands die Krönungsrobe der Zarin ausgestellt. Dazu noch ein Ballkleid. Viele Bilder, Gemälde und Stiche von Maria Feodorowna und ihrem Gemahl. Dazu noch welche von Katharina der Großen und Friedrich dem Großen, die die Ehe zwischen der Württembergerin und dem russischen Thronfolger eingefädelt haben.

Schriftzug im Eingangsbereich des Museums

Der zweite Raum ist Königin Katharina Pawlowna gewidmet, sie saß nur für drei Jahre auf dem württembergischen Thron als Gattin König Wilhelms I. Besonders beeindruckt hat mich das Teeservice Katharinas welches aus purem Gold ist. Sonst sind einige Gemälde und Büsten von der Königin und ihrem Ehemann zu sehen. Da Katharina ihren orthodoxen Glauben beibehielt sind auch Ikonen und anderes Kirchenzubehör aus ihrem Besitz ausgestellt.

Im dritten Raum (der kleinste von allen) werden Stücke aus dem Leben der Großfürstin Elena Pawlowna (Charlotte von Württemberg) gezeigt. Wie bei den anderen sind hier auch viele Gemälde aber auch Möbel zu finden. Die Großfürstin setzte sich für die Aufhebung der Leibeigenschaft im Russischen Reich ein und wurde dafür mit einer Medaille ausgezeichnet, die auch in der Ausstellung zu bewundern ist.

Dieser Banner hängt neben dem Eingang

Im nächsten Zimmer steht Königin Olga Nikolajewna, die Ehefrau König Karls I. im Mittelpunkt. Die zwei wunderschönen Bilder des Fürstenmalers Franz Xaver Winterhalter von Königin Olga kann man hier bestaunen. Sogar das Prunkbett Olgas, ein Hochzeitsgeschenk, wird ausgestellt. Um den ganzen Pomp der Aussteuer einer Zarentochter wiederzugeben, sind Vasen und Tafelsilber aus der Mitgift von Großfürstin Alexandra Nikolajewna (der jüngeren Schwester Olgas) zu sehen, diese konnten zur Gänze bewahrt werden. Eine hier ausgestellte russische Hofrobe, stammt ebenfalls nicht aus Olgas Besitz, sondern von ihrer Nichte Maria Maximiliowna von Leuchtenberg.

Programm, Flyer, Eintrittskarte und der erwähnte Museumsführer

Herzogin Wera Konstantinowna ist die letzte der Romanow-Württemberg Frauen. Als schwieriges Kind wurde Wera zu ihrer Tante Königin Olga nach Württemberg gegeben und später von ihr adoptiert. Es gibt Möbel aus Weras Besitz zu sehen, dazu ein Porträt von Königin Olga. Außerdem Gemälde von Wera und auch von ihren Zwillingstöchtern Olga und Elsa sowie eine Wand mit vielen Fotos, von denen einige Personen allerdings falsch identifiziert wurden. Wera und ihre Töchter waren auch bei der Krönung des letzten Zaren zu Gast und sind im hier gezeigten Krönungsalbum abgebildet.

Im Anschluss folgt ein (kleiner) Raum, hier klingt mit dem Epilog die Ausstellung aus. Krieg und Revolution. Tod von Zar Nikolaus II. seiner Familie sowie die Abdankung von König Wilhelm II. von Württemberg.

Meine Ausbeute aus dem Museumsshop

Leider ist in der ganzen Ausstellung das Fotografieren verboten, man kommt also am Ausstellungskatalog nicht vorbei. Im Begleitband sind einige Aufsätze und viele der Ausstellungsstücke abgedruckt. Insgesamt war ich an die vier Stunden im Museum, davon über drei in der Ausstellung. Die restliche Zeit wurde in der Gruft (wo auch Gemälde von aufgebahrten Mitgliedern des Hauses Württemberg hängen) und im Museumsshop zugebracht.

(Alle Fotos © Königlicher Beobachter)